Über eine Milliarde Menschen leben weltweit in absoluter Armut. Meist wird absolute Armut in den Statistiken – insbesondere der Weltbank – über das Einkommen definiert. Absolut arm sind danach alle diejenigen, die von einem Einkommen unter einem US-Dollar pro Tag (in lokaler Kaufkraftparität) leben müssen.
Die Zahl absolut Armer hat sich seit Anfang der 80er Jahre mehr als verdoppelt. Doch sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zur Weltbevölkerung zeichnet sich ein Umbruch ab. Während die Zahl der Armen weltweit bis in die 90er Jahre hinein anstieg, sind der Anteil der Armen und die absolute Zahl der Armen seither rückläufig. Allerdings ist dabei die Entwicklung in China von erheblicher Bedeutung. Wird China aus der Statistik herausgenommen, ist zwar der Anteil der absolut Armen weiterhin rückläufig, die absolute Zahl der Armen steigt jedoch von 890 Mio. (1987) über 954 Mio. (1993) auf 991 Mio. (1998).
Wie Arme den Zustand von Armut erleben, hat eine umfassende Studie der Weltbank erneut dokumentiert („Voices of the poor“; www.worldbank.org/poverty/voices/). Über 60.000 Arme wurden befragt. Danach ist für Arme ein gutes Leben bzw. Wohlbefinden auf mehreren Ebenen angesiedelt, zu denen die materielle, aber auch die psychische Ebene gehören. Zum Wohlbefinden gehört danach z.B. gute Gesundheit und Ernährung, die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, Sicherheit, die Freiheit zu selbstbestimmtem Leben, ein verlässlicher Lebensunterhalt bzw. ein regelmäßiges Einkommen, aber auch eine generelle Zufriedenheit.
Armut als Gegenteil von gutem Leben oder Wohlbefinden wird von den Armen beschrieben als Mangel an materiellen Dingen (insbesondere Lebensmittel), aber auch Mangel an Arbeit, Geld, Wohnung und Kleidung. Dazu kommt das Leben in einer ungesunden, verschmutzten, gefährlichen und häufig von Gewalt geprägten Umgebung. Zu einem solchen, als schlechtes Leben empfundenen Zustand, gehören vielfach auch negative und deprimierende Gefühle. Die Wahrnehmung von Machtlosigkeit und der fehlenden Möglichkeit, die eigenen Interessen überhaupt nur zu artikulieren, sind ebenso Elemente von Armut wie tägliche existentielle Sorgen oder die Angst vor der Zukunft.
Die 2015-Ziele
Seit Mitte der 90er Jahre ist das Ziel einer umfassenden Armutsbekämpfung erneut ins Zentrum der internationalen entwicklungspolitischen Debatte gerückt. Die auf der UN-Generalversammlung im September 2000 („Millenniumsgipfel“; www.un.org/millennium/summit.htm) zusammengekommenen Regierungen haben sich dazu verpflichtetet, die absolute Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren und bis dahin weitere, klar definierte Ziele zur Förderung sozialer und ökologisch nachhaltiger Entwicklung zu verfolgen.
Die exakte Definition der 2015-Ziele bzw. der Millennium Development Goals (MDGs) und ihrer Unterziele erfolgte in einem 59-seitigen Bericht mit dem Titel „Road map towards the implementation of the United Nations Millennium Declaration“ (www.un.org/documents/ga/docs/56/a56326.pdf), den der UN-Generalsekretär am 19. September 2001 präsentierte. Neben den 8 Hauptzielen wurden 18 Unterziele sowie 48 Indikatoren festgelegt, an denen sich die Umsetzung der Millenniums-Ziele messen lassen soll.
Details zu den 2015-Zielen und weitere „Links“ zu ihrer Umsetzung, z.B. zum Anfang April 2001 beschlossenen „Aktionsprogramm 2015“ der Bundesregierung finden sich auf der Website zum VENRO-Projekt „Perspektive 2015 – Armutsbekämpfung braucht Beteiligung“.
Global Call to Action against Poverty
Im September 2004 haben sich in Johannesburg Vertreter unterschiedlichster Organisationen auf einen weltweiten Aufruf zur Bekämpfung der Armut, dem „Global Call To Action Against Poverty (GCAP)“ geeinigt, der v.a. von den Industriestaaten mehr Engagement für MDG Nr. 8 (Entwicklungsfinanzierung, Entschuldung und Handelsgerechtigkeit) verlangt. Die im VENRO zusammengeschlossenen deutschen Nichtregierungsorganisationen haben im Dezember 2004 mit der Resolution „Wort halten – Mehr deutsches Engagement für die Millenniumsentwicklungsziele!“ den Beitritt zum Global Call erklärt (weitere Informationen zum deutschen NRO-Beitrag befinden sich auf der Aktionswebsite unter: www.weltweite-aktion-gegen-armut.de).